Lerne deine Gefühle zu kontrollieren

tibetischer, buddhistischer Mönch meditiert
Sei achtsam deinen Gefühlen gegenüber

Die Mönche Tibets sehen das Geheimnis des Glücks darin, negative Gefühle im Moment ihrer Entstehung zu kontrollieren. Das Ziel besteht aber nicht darin, sich von einer bestimmten Emotion zu lösen oder sie zu überwinden, sondern zu lernen, wie wir das innere Erleben und unser

Handeln angemessen steuern können, wenn wir die Emotion bemerken. Aus buddhistischer Sicht kommt es darauf an, eine erhöhte Achtsamkeit für das Entstehen der eigenen Gedanken zu entwickeln. Dadurch wird es zum Beispiel möglich, einen Gedanken, welcher der Emotion Ärger entspringt, unmittelbar in seinem Entstehen als solchen zu erkennen und ihn dann im nächsten Moment gleich wieder aufzulösen. Für unser Glück ist es demnach wichtig, aufmerksam zu beobachten, wie unsere Gedanken entstehen und zu lernen, über ihre engen Grenzen und Beschränkungen hinauszugehen.

 

Mittlerweile hat auch die westliche Psychologie erkannt, dass es eine bessere Strategie ist, negative Gefühle zu kontrollieren als sie auszuleben. Die Vorstellung, dass unser Gehirn wie ein Dampfkessel funktioniert und aufgestaute negative Gefühle abgelassen werden müssen, hat sich als falsch erwiesen. Ein Wutanfall befreit nicht von Wut und Tränen erlösen nicht von Trauer. Im Gegenteil: Zornausbrüche steigern die Wut und Tränen vertiefen die Niedergeschlagenheit. Natürlich tut es oftmals gut, seine Erlebnisse auszusprechen und seine Gefühle einem nahen Menschen anzuvertrauen, aber es nützt wenig, sich in einen Ausbruch negativer Emotionen hineinzusteigern. Wenn wir generell zulassen, dass sich unsere negativen Emotionen entladen, entwickeln wir Gewohnheiten, denen wir jedes Mal ausgeliefert sind, sobald die emotionale Aufladung eine kritische Schwelle erreicht. Mit der Zeit, wird diese Schwelle allmählich niedriger, sodass ein Wutanfall immer schneller eintritt. Schon Aristoteles hat erklärt: "Wütend werden kann jeder. Das ist wirklich keine Kunst. Aber aus den richtigen Gründen auf die richtigen Personen und auf die richtige Weise und im richtigen Moment für die richtige Zeitspanne wütend zu werden, ist nicht so leicht.“  Der Glücksschlüssel liegt also darin, deine negativen Emotionen im Moment ihrer Entstehung zu kontrollieren.

 

Deine negativen Gefühle sind wichtig

Wichtig ist bei dieser Empfehlung zu verstehen, dass es keineswegs darum geht, deine Angst, Trauer oder Wut gar nicht erst wahrhaben zu wollen, negative Emotionen absichtlich zu unterdrücken oder zu verdrängen. Unterdrückte Emotionen können schwerwiegenden psychischen und physischen Schaden anrichten. Alle Emotionen überliefern uns wichtige Botschaften, deshalb macht es keinen Sinn, sich vor deinen negativen Gefühlen zu verschließen. Die Kontrolle deiner Gefühle bedeutet genau das Gegenteil von Verdrängung. Der Weg, um sich von deinen negativen Gefühlen zu befreien, ist

sie ernst zu nehmen. Hierbei ist der erste Schritt, deine Emotion bewusst wahrzunehmen, ihre Berechtigung anzuerkennen und die Emotion Traurigkeit, Wut oder Angst zu benennen. Deiner Emotion Aufmerksamkeit zu schenken, erzeugt eine innere Distanzierung: Du betrachtest dein Gefühl als wäre es ein Gegenüber und kannst dich dadurch ein Stück weit von ihm lösen.

 

Es ist leichter als du denkst

Glückliche Menschen haben gelernt, ihre negativen Gefühle liebevoll, aber kurz zu betrachten, zu benennen und danach ihre Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen zuzuwenden. Diese Fähigkeit ist ganz wesentlich für deine Glückskompetenz und lässt sich leicht trainieren, dafür musst du kein buddhistischer Mönch sein. Nur wenn du dir deiner negativen Gefühle bewusst bist, können sie dich nicht übermannen, deine Gedanken bleiben konstruktiv und lösungsfokussiert nach vorne gerichtet. Negative Emotionen blockieren deine Kreativität und schränken deinen Handlungsspielraum ein.