Kinder machen (un)glücklich

Kinder machen (un)glücklich
Mama-Bloggerin Olivia und ihre 3 Lieben sind ein tolles Team

Für viele Paare ist eines ganz klar: Kinder sind das größte Glück. Wirft man allerdings einen Blick auf die Erkenntnisse der Glücksforschung, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Kinder machen nicht glücklich, sie tragen sogar eher zu Unglück der Eltern bei. Das ist insofern nicht verwunderlich, wenn wir an Schlafentzug, Streitigkeiten und Geldsorgen denken. Kurzfristige Glücksmomente werden im Alltag mit Kindern manchmal schmerzlich vermisst. Dennoch sind Paare mit Kindern mit ihrem Leben im Allgemeinen zufriedener als kinderlose. Das liegt daran, dass uns Kinder auf lange Sicht Sinn stiften. So gesehen sind Kindern eine super Investition in unser Lebensglück. Wie dabei im turbulenten Alltag auch die kurzfristigen Glücksmomente nicht zu kurz kommen, darüber habe ich mit 3-fach Mama und Mamabloggerin Olivia gesprochen.

 

Olivia, du bist Mama von 2 Töchtern (3 und 7 Jahre) und einem Sohn (9 Jahre). Ich selbst bin vor 5 Monaten das erste Mal Mama geworden. Wenn ich meinen kleinen, schlafenden Sohn auf dem Arm halte oder er mich anlächelt, ist es für mich das reine Glück. Was sind deine schönsten Glücksmomente mit deinen Kindern?

Das größte Glück ist für mich, drei gesunde, lebenshungrige und aufgeweckte Kinder zu haben. Das Gefühl von Langeweile gibt es bei uns einfach nicht – hier ist immer richtig was los. Das liebe ich, das macht mich glücklich, auch wenn es mir manchmal wahnsinnig viel abverlangt.

Das kleine Glück im Alltag sind so diese Momente, wenn ich unserer Midi die Haare frisiere, mit Mini in Ruhe, für 10 Minuten durch ein Buch blättere und den Großen dabei beobachte, wie er darin aufgeht, Eidechsen auf der Steinmauer unseres Gartens zu fangen. Richtig kribbelndes Glück empfinde ich, wenn ich abends, sobald alle 3 (endlich) schlafen, noch einmal auf Zehenspitzen in ihre Zimmer schleiche. Dieses ruhige, regelmäßige Atmen zu hören, das lässt eine unendliche Zufriedenheit in mir aufkommen. Alles ist dann einfach gut!

 

Was ist dein persönliches Glückskonzept? Was brauchst du für eine glückliches Leben?

Klingt immer ein wenig abgedroschen, aber Gesundheit ist tatsächlich die Basis für mein glückliches Leben. Aufgehen tue ich im Kochen, Fotografieren und Schreiben meiner Texte für meinen Blog More is Now – GENUSSvolles Mama-Sein! So einen richtig guten Beitrag auf dem Blog zu veröffentlichen und dann feine Resonanz von Mamas & Familien dazu zu bekommen, macht mich glücklich. Kochen und Backen sind für mich wie Meditation. Fühle ich mich unrund, beginne ich einfach Gemüse zu schnippeln oder Eischnee unter eine Kuchenmasse zu ziehen. Danach fühle ich mich bedeutend besser und ausgeglichener. Ich bin wieder in meiner Mitte. Und genau diese Leidenschaft, mit meiner Rolle als Mama verbinden zu können und dabei meinen Kindern noch etwas Wertvolles mit auf ihren Lebensweg zu geben - die Liebe für gutes Essen – macht mich sehr zufrieden….ist aber trotzdem immer auch so ein Balanceakt, ein Spagat zwischen Familienzeit und Selbstverwirklichung.

 

Ja, diesen Spagat kenne ich durch meine Selbstständigkeit sehr gut. Ich sage immer, mein Glückskompetenz-Unternehmen ist mein zweites Baby. Welchen Beitrag haben deine Kinder zu deinem Lebensglück?

Da hat es ein wenig gedauert, bei mir, bis ich das verstanden habe. Ich sage immer ganz offen & ehrlich, dass das große Glück nicht mit der Geburt unseres Sohnes automatisch bei mir eingeschossen ist. Gott, war ich damals unsicher, überfordert und oft den Tränen nahe. Aber mit der Zeit und mit jedem weiteren Kind, bin ich, so wie unsere Kinder gewachsen sind, auch in meine Mamarolle hinein gewachsen. Meine Kinder haben mir gezeigt, wer ich wirklich bin, wo meine Grenzen sind und was man alles schaffen kann. Irgendwie haben sie mich tatsächlich zu einem ganz anderen Menschen gemacht! Meine Kinder sind ein immanenter Bestandteil meines Glücks und ich würde sagen, dass ich persönlich glücklicher bin, als vor der Zeit als Mama. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mich über meine Kinder definiere, aber es fühlt sich einfach alles so richtig, so komplett, so ganz an. Gleichzeitig war ich noch nie so müde, so angestrengt und an manchen Tagen so ausgepowert wie jetzt als 3-fach Mama. Kinder verlangen dir einiges an und eigentlich schafft man das nur als gut eingespieltes Team bzw. mit Hilfe eines Netzwerks. Sonst bleibt man schnell mal mit seinen Bedürfnissen auf der Strecke. Verklärt darf man sich das mit dem Mama-Sein wirklich nicht vorstellen.

 

Ich glaube genau dieses verklärte Mama-Bild, das uns durch die Medien präsentiert wird, trägt auch einen Teil dazu bei, dass sich Mütter selbst unter Druck setzen. Sie empfinden den Alltag mit Kind als sehr anstrengend und eben nicht nur schön und fragen sich dann, ob sie ihr Kind genug lieben oder ob sie möglicherweise eine schlechte Mutter sind. Es gibt Erkenntnisse aus der Glücksforschung, die besagen, dass die Chance auf gesteigertes Glücksempfinden mit jedem weiteren Kind abnimmt. Wie siehst du das als 3-fach Mama? Soll ich es bei einem Kind belassen? 😊

Ich denke, wie so oft, gibt es viel Interpretationsspielraum bei Studien. Ich bin mit jedem Kind sicherer und auch ein bisschen glücklicher geworden. Das ist aber bestimmt persönliches Empfinden. Meine Kinder manchen mich nicht unglücklich. Also an manchen Tagen schon ein klein bisschen, wenn wieder mal nur gestritten wird oder ich laufend damit beschäftigt bin, dass unsere Haus nicht im Chaos versinkt! Aber habe ich nur Zeit für die Kinder, so einen gemeinsamen Nachmittag, den wir zu viert, bestenfalls zu fünft (mit Papa) im Garten verbringen, ist da dieses FLOW Gefühl. Wenn wir alle dann rund um’s Lagerfeuer sitzen, Würstchen grillen und die Kinder alle 3 gleichzeitig erzählen wollen, dann höre ich diesen Satz im Kopf „So habe ich mir das immer vorgestellt!“.

 

Beruflich betreibst du ja den Mamablog „More ist Now“ und arbeitest Teilzeit in der Nachhaltigkeitsabteilung einer österreichischen Babyartikelfirma. Was sind deine größten Herausforderungen als Mompreneur und wie meisterst du sie?

Meine größte Herausforderung – das schlechte Gewissen. Irgendjemandem wird man nie so ganz gerecht. Es bleibt immer etwas auf der Strecke. Die Bedürfnisse der Kinder, wenn man mit dem Laptop auf dem Sofa sitzt, um noch einen Post fertig zu machen oder Emails zu schreiben oder Instagram Anfragen zu beantworten statt mit den Kindern oben im Bett eine Gute Nacht Geschichte zu lesen. Ein wichtiger beruflicher Vernetzungstermin, weil eines der Kinder über Nacht Fieber bekommen hat und man leider sehr traurig absagen muss. Ein gutes Gespräch mit meinem Mann abends, weil wir beide einfach viel zu müde zum Reden sind und das Reden wieder einmal auf morgen vertagen. Und am Ende bleibt man natürlich selbst auch auf der Strecke, weil man den ganzen Tag in Ruhe einen Kaffee auf der Terrasse trinken wollte oder einfach nur mal alleine auf die Toilette wollte, aber da war ja das Piepsen der Waschmaschine, das Abendessen, das vorbereitet werden will, die Schulnachricht, die unterschrieben werden muss, der überquellende Email Posteingang, der Wäschekorb am Weg ins Obergeschoß und noch 1.000 andere Sachen! Das ist eben das Leben einer(berufstätigen) 3-fach Mama!

 

Ich frage mich, ob auch Männer ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Job und Kind vereinen wollen oder ob das ein Frauen-Thema ist. Mein Eindruck ist, dass Mütter oft sehr hohe Erwartungen an sich selbst stellen. Das kann ein Glückshindernis sein, weil ihre Idealvorstellung des Elterndaseins nicht mit der Realität zusammenpasst. Wie siehst du das und wie managest du deine eigenen Erwartungen?

Oh, ich habe selbst sehr hohe Erwartungen an mich. Sagt mir mein Mann auch regelmäßig. Ich liebe, was ich tue, aber ich tue es einfach viel zu intensiv. Das bringen bei uns allerdings auch die Rahmenbedingungen mit sich. Daran muss ich definitiv arbeiten – meine Erwartungen an mich selbst einmal runter zu schrauben. Allerdings kann ich das mit dem Mama-Sein, dem Blog und dem Job nur tun, indem ich meine eigenen Bedürfnisse momentan ein wenig hintanstelle. Wenn ich mich wieder mal in meinen eigenen Erwartungen so ein wenig verliere, dann hilft mir persönlich so ein Tag mit der Familie draußen, im Museum, mit Freunden! Danach sehe ich wieder klarer, weiß, wo momentan die Prioritäten liegen und mache dann eines nach dem anderen. Mein Motto „Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück!“ Erwartungen, die von außen an mich herangetragen werde, sind für mich nicht so eine Herausforderung. Ich lerne immer besser, mich abzugrenzen, besonders von Energievampiren. Meine Zeit ist einfach knapp und was andere von mir denken oder für Erwartungen an mich stellen, ist mir mittlerweile nicht mehr so wichtig. Jeder muss seinen persönlichen Weg gehen und dabei glücklich sein. Vom Leben auf morgen verschieben, halte ich nicht viel. Was andere sich dann denken, ist ihre Sache!

 

Interview mit 3-fach Mama und Mamabloggerin Olivia zum Thema Machen Kinder unglücklich
Kochen und Backen sind für Olivia wie Meditation

Auf deinem Mamablog „More is now“ entscheidest du dich bewusst dafür, die schönen Seiten des Mamaseins zu zeigen. Das Vergleichen des eigenen, möglicherweise chaotischen, Lebens mit den top gestylten Fotos auf Social Media kann den Druck auf Mamas verstärken und die eigenen Ansprüche noch höher schrauben. Was empfiehlst du Mamas im Umgang mit Social Media?

Instagram, Facebook und Co. nur so lange öffnen, so lange es ein gutes Gefühl erzeugt, Spaß macht, inspiriert, ein positiver Austausch stattfindet. An manchen Tagen schau´ ich selbst nur einmal kurz vorbei (aber bei mir ist das ja auch beruflich bedingt). Ich will Mamas einfach mit meinem Content/Beiträgen keinen Druck machen, sondern Zeit sparen. Ich sehe mich wie so einen Filter, der eine Vorauswahl trifft, der zeigt, was heute mittags am Tisch stehen könnte und dazu gleich die Einkaufsliste bereithält. Ich habe es einfach gerne schön, ich mach es mir auch gerne schön. Das macht mich glücklich und damit will ich andere ein klein bisschen anstecken. Ich zeige auf den More is Now Kanälen allerdings auch das wahre Leben mit Pizzakartons & Kindern, die mal fernsehen dürfen, wenn Mama kurz noch einmal arbeiten muss. Ich versuche einfach echt zu sein.

 

Frauen tendieren stärker als Männer dazu, sich aufzuopfern und die Bedürfnisse ihrer Kinder über die eigenen Bedürfnisse zu stellen. Jungmamas fällt es manchmal sogar schwer, Grundbedürfnisse wie Schlafen und Essen zu decken. Was natürlich für Mamas nicht glücksfördernd ist. Wie gelingt es dir im Alltag mit 3 Kindern auf deine eigenen Bedürfnisse zu achten?

Wie gesagt, fällt mir das auch nicht immer so leicht. Aber ich habe zwei Fixtermine pro Woche. Ich gehe zum Yoga und tanze einmal in der Woche Zumba. Diese Termine sind mir heilig. Gutes Essen ist so ein weiteres Bedürfnis. Weil mir das so viel wert ist, nehme ich mir dazu wirklich täglich Zeit. Und ich versuche, wenn immer möglich, ausreichend zu schlafen. Das macht dann mein Mann für mich möglich („Happy wife, happy life! 😊). Ich darf an manchen Tagen, in der Früh, länger im Bett bleiben als der Rest. Bin ich ausgeschlafen und gibt es köstliches Essen, dann sind meine wichtigsten Bedürfnisse befriedigt. Ja, und mein Selbstverwirklichungsbedürfnis lebe ich durch meinen Mama-Food-Blogs aus. Da sprühe ich gerade so vor kreativer Energie, komme ganz oft in diesen berühmten Flow Zustand und das spendet mir wieder richtig viel Power für den Rest der zu bewältigenden Aufgaben.

 

Meiner Meinung nach können Kinder nur so glücklich sein, wie es ihre engsten Bezugspersonen sind. Was tust du für dein eigenes Glück?

Ich könnte jetzt schreiben, dass das bei uns top läuft. Tut es nicht. Ich bin, wie gesagt, auch nicht immer glücklich und bestens gelaunt – das merken dann selbstverständlich auch die Kinder. Was ich allerdings täglich versuche, ist das Leben gemeinsam mit meinen Lieben so richtig auszukosten, das letzte raus zu holen. Nach langen Jahren der Suche, mit dem Mama-Food-Blog, dem Kochen, dem Rezepte kreieren und hübsch fotografieren, etwas gefunden zu haben, dass mich durch und durch glücklich macht und dieses Tun dann noch mit meiner Familie verbinden zu können – strahlt sicher positiv auf meine Kinder aus. Ein besonders großes Anliegen ist mir, gerade meinen beiden Töchtern, aber auch meinem Sohn, vorzuleben, dass man seine Erfüllung, neben der Familie, auch im Job finden kann. Das es um Gleichberechtigung geht, um Familienaufgabenverteilung, und dass es nur klappt, wenn alle zusammenhelfen. So bekommt jeder ein Stück Glück vom Kuchen ab!

 

Was sind deine Glücks-Pläne für die Zukunft?

Mein Bild von der Zukunft – ein großer Tisch im Garten, der Wind weht leicht, die Obstbäume blühen, die Tafel ist reich gedeckt! Um mich herum, meine Familie, unsere 3 Kinder, die inzwischen auch selbst schon eine Familie gegründet haben. Ja, und mit meinem Sohn unterhalte ich mich über eines meiner nächsten kulinarischen Projekte, während er mir begeistert von seinem Glück erzählt. Kitschig, ich weiß! Aber mein Glücks-Plan eben. :-)

 

Was ist dein persönlicher Glückstipp für Mamas?

Mein persönlicher Glückstipp, wenn einem wieder mal alles zu viel erscheint…. bewusst und tief atmen, nur ein paar Minuten. Dabei im besten Fall die Augen schließen und den Wutanfall der 3-Jährigen einfach mal ignorieren. Das tiefe, bewusste Atmen bewirkt bei mir immer Wunder und signalisiert dem Körper „Alles ist doch gut!“

 

Zur Person: Olivia wohnt mit ihrer Familie im schönen Niederösterreich, trägt gerne Ringelshirts und liebt es zu kochen. Sie veranstaltet regelmäßig Kochevents zum Thema "Familienküche". Alle Infos dazu findest du auf ihrem Blog More ist now. 

 

Bist du selbst Mama und fühlst dich manchmal so gar nicht glücklich, obwohl dein Kind/deine Kinder absolute Wunschkinder sind? Wünscht du dir ein starkes Glücks-Mindset, das du an deine Kinder weitergeben kannst? Dann lade ich dich zu einem kostenlosen und unverbindlichen Glücks-Strategiegespräch ein.