Vom Marketing Director zum Notfallsanitäter

Vom Marketing Director zum Notfallsanitäter
Die Gewissheit einen Unterschied zu machen - Das macht Mats in seinem neuen Job als Notfallsanitäter besonder glücklich

Manchmal braucht es eine radikale Richtungsänderung, um in dem Job zu landen, der für dich richtig Sinn macht und in dem du das Gefühl hast, dein Jobglück zu leben. Mats aus Düsseldorf macht es vor. Er hat den Mut sich mit über 30 beruflich komplett umzuorientieren. Mats und ich haben unser Erasmus-Semester während des Studiums zusammen in Irland verbracht und treffen uns einmal im Jahr bei unseren Erasmus-Reunion-Treffen immer in einer anderen Stadt. Zu seinem inspirierenden Jobwechsel habe ich ihn interviewt:

 

Mats, du warst nach deinem Internationalen Business Communications Studium sieben Jahre strategischer Planer in einer Werbeagentur. Zuletzt hast du dort als Strategy Director das Strategie Team geleitet. Ein toller Job, für den dich andere Menschen bewundert haben und gerne an deiner Stelle gewesen wären. Woher kam dein Wunsch Notfallsanitäter zu werden?

Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit mit Arbeit. Ich wollte diese Zeit gerne in etwas investieren, wovon ich uneingeschränkt überzeugt bin. Etwas, worauf ich nicht aufgrund der damit verbundenen sozialen Stellung stolz bin, sondern weil ich wirklich sagen kann: Es kostet Zeit und Kraft, aber ich mache damit auch wirklich einen Unterschied.

 

Was begeistert dich am Job des Notfallsanitäters? Wie hast du herausgefunden, dass dich genau dieser Job glücklich macht?

Ich arbeite bereits seit 2010 ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz. Hierüber habe ich erstmals Kontakt mit dem Rettungsdienst (oder wie ihr in Österreich sagt: "mit der Rettung") gehabt und festgestellt, dass ich diesen Bereich sehr interessant finde. 2017 habe ich dann berufsbegleitend die Qualifikation als Rettungssanitäter absolviert, mit der man als Fahrer auf dem Rettungswagen eingesetzt werden kann. Hier habe ich festgestellt, dass ich nach einer 12-Stunden Schicht auf dem Rettungswagen deutlich zufriedener nach Hause gehe, als nach einem Arbeitstag im Büro. Die Gewissheit, Menschen in schwierigen Situationen beigestanden zu haben und deren aufrichtiger Dank tun sehr gut.

 

Was waren deine Tätigkeiten im alten Job und was sind deine Tätigkeiten im neuen Job?

Früher habe ich den Großteil des Tages in Meetings oder vor dem Laptop verbracht. Es ging meist darum Informationen einzuholen, Ideen zu entwickeln, möglichst mitreißend aufzubereiten und zu präsentieren. Dazu kamen Mitarbeiterführung und Organisation, sowie Feedback, Supervision und Entwicklung der juniorigeren Teammitglieder. Ich habe einen hohen Anspruch an die Qualität meiner Arbeit. Rückblickend glaube ich, dass es unmöglich war, diesen Anspruch mit der Vielzahl der Aufgaben zu vereinen. Ich hatte nie das Gefühl wirklich fertig und mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.

 

Im neuen Beruf wechseln sich Routinetätigkeiten, z.B. der morgendliche Material-Check oder die Wiederaufbereitung des Rettungswagens nach jedem Einsatz, mit der absoluten Ungewissheit der Notfalleinsätze ab. Es geht immer wieder darum, eine Situation schnell und vollständig zu erfassen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das fordert, ist aber gleichzeitig sehr dankbar, weil es genau eine Aufgabe gibt: Das beste für den jeweiligen Patienten zu geben.

 

Für deinen Job in der Werbeagentur hast du jahrelang studiert und du hattest ein gutes Gehalt. Wie leicht oder schwer ist es dir gefallen deinen sicheren Job aufzugeben und eine ganz neue Ausbildung zu beginnen?

Es ist mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Der finanzielle Einschnitt ist natürlich erheblich, auch wenn ich ein ordentliches Ausbildungsgehalt bekomme. Die Frage ist aber eine ganz grundsätzliche: macht der Freiraum, den Geld mir gibt, mich glücklich? Oder macht es mich glücklicher meiner Überzeugung zu folgen und beruflich etwas zu tun, das micht fasziniert - auch wenn ich dafür an anderer Stelle verzichten muss?

 

Gerade das Thema finanzielle Sicherheit ist für viele ein Grund, der sie zurückhält, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Wie hast du das gelöst?

Ich habe glücklicherweise nie auf großem Fuß gelebt, besitze zum Beispiel kein Auto. Außerdem habe ich mit meiner Frau schon immer die Regelung gehabt, dass wir uns Miete & Co. nicht 50/50, sondern auf Basis des jeweiligen Einkommens aufteilen. Da das Ausbildungsgehalt im Rettungsdienst mittlerweile relativ gut ist, kann ich hiermit also die Lebenshaltungskosten finanzieren. Für alles darüber hinaus gehende muss das Ersparte herhalten. Aber wir sprechen ja über einen absehbaren Zeitraum.

 

Dein Tipp für alle, die in ihrem aktuellen Job unglücklich sind und sich (noch) nicht trauen ihren beruflichen Traum zu verwirklichen?

Erstmal ist es wichtig etwas zu finden, für das man wirklich brennt. Dann sollte man alle Konsequenzen einmal zusammentragen. Positive wie negative. Das hilft Klarheit zu schaffen. Sind die Ängste, die mich bisher zurück halten, überhaupt gerechtfertigt? Lasse ich mich vielleicht von meiner Begeisterung blenden? Ich habe mir dazu damals z.B. eine Pro und Contra Liste gemacht. Wichtig ist auch alle Menschen mit einzubeziehen, die es direkt oder indirekt betrifft. Zum Beispiel die Familie oder Freunde.

Lassen sich für alle negativen Konsequenzen Lösungen finden oder bin ich bereit damit zu leben? Dann nicht länger fackeln! Auch wenn der Weg zum Traumberuf steinig sein mag: Es lohnt sich.

 

Was bedeutet für dich Jobglück?

 Jobglück bedeutet für mich etwas zu tun, wovon ich überzeugt bin. Mit der Gewissheit nach Hause zu gehen einen Unterschied gemacht zu haben macht mich glücklich.

 

Mats, 31 Jahre, wohnt in Düsseldorf. Das größte Glück empfindet er, wenn er im Dienst den Teller leeressen kann, ohne dass der Alarmgong ertönt. Weil das so selten vorkommt.


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