Schweine streicheln macht glücklich - Vom Aussteigen und Landleben

Steffi und Christian leben ihren Traum auf der Edermühle im Waldviertel Fotocredits: Josef Herfert
Steffi und Christian leben ihren Traum auf der Edermühle im Waldviertel Fotocredits: Josef Herfert
Viele Menschen träumen vom Aussteigen. Steffi und Christian haben es tatsächlich gemacht. Sie sind von München in einen kleinen Ort im nördlichen Waldviertel gezogen, um dort ihren Traum zu leben. Der Traum heißt EDERMÜHLE, ein 400 Jahre alter Vierkanthof im Lainsitztal, den Steffi und Christian mit Schweinen, Pfauen, Enten, Bronzeputen, Hasen, Katzen, Hühnern, Kamerunschafen, Fischen und ihrem Hund Piccolo teilen. Über das Leben auf dem Land und das Aussteigen habe ich mit ihnen gesprochen.

Ich selbst lebe in Wien. Zwar besuche ich gerne meine Großeltern, die bei euch im Nachbardorf wohnen, könnte mir aber nicht vorstellen meinen Lebensmittelpunkt ganz ins Waldviertel zu verlegen. Was hat euch dazu bewogen der Stadt den Rücken zu kehren?

Beweggrund Nummer eins München zu verlassen waren die hohen Immobilienpreise bzw. Mieten dort. Für eine 2 Zimmerwohnung mit ca. 50qm bezahlt man inzwischen knapp 400.000€ bzw 1.000€ Kaltmiete - das ist nicht mal mehr ein schlechter Witz. Was es uns einfacher gemacht hat: Wir mussten unsere Jobs nicht aufgeben. Wir waren schon davor selbstständig und haben einfach den Firmensitz hierher verlegt. Abgesehen davon gibt es entgegen aller hartnäckigen Gerüchte aber auch Jobs aller Art im Waldviertel.

Was ich am Waldviertel besonders schätze, ist die Ruhe dort. Ich liebe es in den Wald zu gehen und einfach die Stille zu genießen. Die Edermühle ist für mich ein ganz besonderer Ort. Es könnte ja wirklich kaum idyllischer sein hier bei euch, mit dem kleinen Bach, den saftigen Wiesen und inmitten all der Tiere. Ein Ort zum Träumen. Wie sieht euer persönlicher Traum aus?

Unser Traum ist relativ einfach - in Ruhe und ohne Stress zu leben.

Beschreibt mal, wie können wir uns einen typischen Tag auf der Edermühle vorstellen?

In der Edermühle gibt es eigentlich keine typischen Tage, außer dem morgendlichen Öffnen der Ställe und der abendlichen Fütterungsrunde. Es gibt immer mal wieder kleinere und größere Probleme zu lösen, was bei einer ständigen Weiterentwicklung aber ganz normal ist. Die Edermühle war ja ursprünglich nie als Projekt geplant, sondern als privates Refugium. Inzwischen gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, Erlebnisse aller Art wie z.B unser Schweinestreicheln, einen kleinen Hofladen und Tiere, die mit Hilfe von Patenschaften ihre Pension bei uns verbringen dürfen. Geplant sind weitere Übernachtungsmöglichkeiten, Seminare zum Thema Stadt/Land und Aussteigen, sowie der Verkauf von Fleisch.

 

Was ist die größte Herausforderung in eurem Alltag auf der Edermühle?

Steffi: Die Natur an sich. Die Winter hier sind echte Winter. Damit muss ich als Stadtpflanze erst mal zurechtkommen. Du musst lernen dich darauf einzustellen. Wenn es stürmt und regnet, dann ist’s halt so. Die geplanten Arbeiten müssen dann verschoben werden und manchmal haben wir dann das Gefühl, dass nichts weiter geht - was natürlich unsinnig ist. Die größte Herausforderung ist also eigentlich das, was der Mensch vor uns schon längst kannte, konnte und meisterte: Das harmonische Zusammenleben mit der Natur.

 

Christian: Steffi hat da absolut Recht, wobei hinzu kommt, sich nicht nur auf Neues einzustellen, sondern sich auch von Altem zu lösen. Damit meine ich vor allem Lebens- und Konsumeinstellungen, die für die meisten Menschen ganz normal geworden sind. Für einen selbst ist das vielleicht weniger ein Problem, als für das Umfeld. Wir haben z.B. kein Handy mehr - da wirst in der heutigen Zeit schnell mal für verrückt erklärt. Oder, dass wir seit 7 Jahren nicht im klassischen Urlaub waren und z.B. auch keinen normalen Fernseher mehr besitzen. Diese eigene Entwicklung durch zu machen und sich nicht zu sehr von äußeren Einflüssen beeinflussen zu lassen, ist auch eine ständige Herausforderung.

 

Ja, dass die Winter im Waldviertel richtig hart und lang sein können, weiß ich von meinen Großeltern. Sie sagen immer scherzhaft, das Waldviertel ist das Sibirien von Österreich. Und zum Handy: Ich hab mich schon gewundert, warum auf eurer Website nur eine Festnetznummer steht. :-) Das heißt, ihr habt nicht nur euren Wohnsitz verändert, sondern auch eure Lebensgewohnheiten. Wie habt ihr euch als Menschen verändert, seitdem ihr auf der Edermühle lebt?

Wir glauben, dass wir viel bewusster leben und sehen, dass man unterm Strich viel weniger braucht als man immer glaubt. Dieser pauschal klingende Kernpunkt soll auch ein Hauptbestandteil des Seminars werden. Wir leben einen gesunden Mittelweg zwischen Konsumgesellschaft und Minimalismus, wobei der Hang eindeutig mehr zu weniger als mehr geht.

 

Ich kann mir vorstellen, dass es auch viel Mut gebraucht hat, um diesen Schritt zu wagen. Um Auszusteigen und das klassische Hamsterrad zu verlassen. Woher nehmt ihr euren Mut?

Eigentlich musst du dir „nur“ zwei Dinge bewusst machen:

1. Es ist vollkommen egal was andere über dich denken oder sagen.

2. Du hast nur dieses eine Leben.

 

Was ist euer persönliches Glückskonzept?

Wir versuchen uns die gerade genannten 2 Punkte immer wieder bewusst zu machen. Denn auch, wenn es simpel und logisch ist, dass wir nur ein Leben haben und es uns egal sein kann, was andere über uns denken oder sagen, ist das, in der heutigen Gesellschaft mitsamt ihren Einflüssen, gar nicht so einfach durchzuziehen.

 

Was braucht ihr für ein glückliches Leben?

Für ein glückliches Leben brauchen wir schon ein paar Dinge: Gesundheit, ein sicheres und warmes Zuhause, wo wir uns entfalten können, Nahrung, Kleidung, Freunde, Tiere und Natur. Für die meisten dieser Dinge braucht es leider Geld - die Frage ist ja nur wie viel.

 

Ihr habt gerade das Thema Geld angesprochen. Wie steht ihr  dazu? Wie viel braucht ihr, um glücklich zu sein und wie verdient ihr es heute, um euren Traum zu finanzieren?

Da stehen wir im Zwiespalt. Bei so einem Projekt braucht es einfach immer wieder Geld, allerdings vermutlich weniger als man denkt.  Zumindest wenn man es in Relation zu einem Leben in der Stadt betrachtet. Die Edermühle ist ein Lebensprojekt, wo Berufung und Privatleben verschmelzen und sich dadurch immer mehr Möglichkeiten ergeben Geld zu verdienen.

 

Bei der Realisierung eures Traumes seid ihr auch auf viele Hürden gestoßen und es gab immer wieder Rückschläge, z.B. bei der Renovierung der Edermühle. Als ihr sie gekauft habt, stand sie ja kurz vor dem Verfall. Wie geht ihr damit um? Wie meistert ihr weniger glückliche Zeiten?

Wir machen uns in solchen Momenten immer wieder bewusst, was wir schon alles geschafft haben, wie z.B. die Sanierung eines über 400 Jahre alten Vierkanthofs. Damit wir das nicht vergessen, hab ich das Buch „Nur schaun, nicht kaufn - Unverhofft in eine Vollsanierung“ geschrieben. Ein Wahnsinnsbeispiel dafür, was man alles schaffen kann, wenn man ein Ziel vor Augen hat.

 

Es macht mich als Stadtkind unglaublich glücklich eure Kune Kune Schweine zu streicheln. Ich habe gesehen, ihr bietet auch Meditation mit euren Tieren an. Was ist für euch das Besondere am Leben mit Tieren?

Tiere sind gnadenlos ehrlich, feinfühlig und dankbar - seltene Eigenschaften heutzutage.

 

Welchen Rat würdet ihr jemandem mitgeben, der so wie ihr aus dem beruflichen Hamsterrad aussteigen und aufs Land ziehen möchte?

Hör nicht auf andere, sondern auf deinen Hausverstand und den Taschenrechner. Es gibt so viele Möglichkeiten abseits der Metropolen.

 

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Nur von der Edermühle leben zu können und Menschen Hilfestellungen und Anreize für eine andere Lebensweise zu geben.

 

Was ist euer Glückstipp/euer Glücksgeheimnis?

Nur die Angst begrenzt dein Tun.

 

Zu den Personen: Steffi, 40, war in ihrem früheren Leben Hotelfachfrau, Piercerin und hat im Marketing gearbeitet. Wenn sie nicht gerade unterkühlte Schafe gesund pflegt, Zäune repariert oder Websiten designt, dann zaubert sie den Gästen auf der Edermühle das tollste Frühstück.

Christian, 38, hat in seinem früheren Leben Schauspiel studiert und mal eine Hauptrolle in der Serie Marienhof auf ARD gespielt. Wenn er nicht gerade Schweine streichelt oder Forellen angelt, schreibt er in der NÖN eine (sehr unterhaltsame) Kolumne über das Leben auf der Edermühle.

 

Willst du auch Schweine streicheln, dir eine Auszeit nehmen oder mehr über die Edermühle erfahren? Alle Infos findest du hier: www.edermühle.at

 

Hast du so wie Steffi und Christian auch einen Lebenstraum, den du endlich in die Tat umsetzen willst?

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