Die Kunst Nein zu sagen: meine praktischen Tipps

Oft höre ich in meinen Glücksgesprächen, dass es Menschen schwerfällt, Nein zu sagen. Ganz besonders dann, wenn es um die Arbeit geht. Auch bei Freunden oder Personen aus dem Familienkreis kommt meinen Glücks-Coachees ein Nein oft nur schwer über die Lippen. In diesem Artikel erfährst du, woran das liegt und was du dagegen tun kannst.

 

Wer sich schwer tut Nein zu sagen wird oft ausgenutzt.
Nein, nein, nein! Lerne NEIN zu sagen

Teste dich - Wie leicht fällt es dir Nein zu sagen?

Wenn du immer ja sagst, ist das wie ein Verrat an dir selbst. Du fragst dich, warum das ein Verrat sein soll? Ganz einfach, weil du Ja zu etwas sagst, was tief in deinem Inneren für dich eigentlich nicht stimmt.

 

Wie sieht es bei dir aus? Fällt es dir schwer, Nein zu sagen?

Versetze dich in folgende Alltagssituationen und teste dich selbst.

 

Beispiel 1

Stell dir vor, deine Freundin ruft dich am Sonntagabend an und beklagt sich bei dir, dass sie total überfordert ist mit ihrem Umzug. Sie sagt, dass du ihr morgen unbedingt helfen musst, weil sie noch so viele Kisten zu packen hat und Wände streichen muss und ohne deine Hilfe schafft sie das bis Mittwoch nicht. Du weißt, am Montag ist bei dir in der Arbeit immer viel zu tun und so kurzfristig frei nehmen könnte auch zu Unmut unter deinen Kollegen führen. Du weißt aber auch, dass deine Freundin furchtbar enttäuscht sein wird, wenn du ihr nicht hilfst. Vielleicht wird sie sogar eine Zeit lang nicht mit dir sprechen.

 

Was würdest du tun? Sagst du zu, obwohl du dich damit gar nicht wohlfühlst oder kannst du Nein sagen?

 

Beispiel 2

Deine Mutter bittet dich darum, ihr einen Gefallen zu tun und am Samstag ihre Besorgungen zu erledigen. Eigentlich wollte das dein Vater machen, aber der hat sich ganz blöd den Knöchel verknackst. Die Einkäufe können leider nicht warten, bis der Knöchel von deinem Vater wieder verheilt ist, weil deine Eltern am Wochenende Gäste erwarten. Du hast aber eigentlich einen Ausflug mit deiner Familie geplant.

 

Kannst du Nein sagen oder lässt du dich breitschlagen und riskierst damit deine Familie zu enttäuschen?

 

Beispiel 3

Es ist kurz vor Feierabend und dein Chef bittet dich darum, noch zwei Stunden länger im Büro zu bleiben, weil die Frist für ein Projekt am nächsten Tag endet und du sollst die Unterlagen dafür jetzt noch fertigstellen. Er hat schon alles Wichtige vorbereitet, die letzten Handgriffe überlässt er dir, weil du arbeitest ja so gewissenhaft und fehlerfrei. Eigentlich hast du dich schon so auf einen entspannten Abend mit deinem Partner / deiner Partnerin gefreut.

 

Wie würdest du reagieren? Stellst du deine Bedürfnisse zurück und erledigst das, obwohl du weißt, dass es länger als nur zwei Stunden dauern wird oder kannst du zu deinem Chef Nein sagen?

 

Sich trauen Nein zu sagen, heißt auch zu spüren, was dir gut tut und was nicht. Wenn du hinter deinem Nein stehen kannst, dann kannst auch du besser mit den Reaktionen anderer umgehen. Wenn dein Gegenüber dann von dir enttäuscht ist, ist das in erster Linie das Problem, das anderen und nicht deines. Mit ein bisschen Kreativität lässt sich oft ein Kompromiss finden, der für beide Seiten gut passt.

 

Das kostet dich jedes JA

Auf der einen Seite fühlst du dich wertgeschätzt, wenn dich andere um einen Gefallen bitten, denn sie würden ja nicht jede x-beliebige Person fragen. Aber auf der anderen Seite werden dir die zusätzlichen Aufgaben zu viel und du selbst bleibst auf der Strecke.

 

Eine Frau die sich mal wieder fragt warum es ihr so schwerfällt Nein zu sagen
Warum ist Nein sagen so schwer?

 

  • Die zusätzlichen Aufgaben zehren an deiner Kraft und du hast weniger Zeit und Energie für dich selbst, deine Hobbys und deine Pläne.

  • Weil du versuchst, alles unter einen Hut zu bekommen,
    bereiten dir die zusätzlichen Verpflichtungen Stress.

  • Dein Selbstwertgefühl ist von anderen abhängig.
    Wenn dich grade keiner braucht, fühlst du dich nutzlos.

  • Du ärgerst dich hinterher häufig darüber, dass du wieder mal nicht Nein sagen konntest.

  • Wenn du dauerhaft gibst und selten etwas zurückbekommst,
    fühlst du dich mit der Zeit ausgenutzt.

 

 

 

Generell sollte sich in Beziehungen das Geben und Nehmen im Gleichgewicht halten. Gibt eine Person auf Dauer mehr als die andere, passiert es sehr schnell, dass Unzufriedenheit entsteht. Deshalb sei dir dessen immer bewusst, dass du mit jedem Ja zu einer anderen Person deine eigenen Bedürfnisse hinten anstellst.

 

Natürlich gibt es Situationen, in denen du gerne und aus vollem Herzen für andere da bist. Dafür ist es wichtig, deine eigenen Bedürfnisse zurückstellen zu können. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo du das Gefühl hast, du selbst bleibst auf der Strecke. Dann wird es wichtig, dir selbst treu zu sein und Nein zu sagen.

 

Wenn du merkst, dass alles schon viel zu viel für dich ist, wenn du deine eigenen Grenzen regelmäßig für andere überschreitest, wenn du dich manipulieren lässt, dann ist es für dich endlich Zeit, Nein zu sagen.

 

Warum es für uns so schwer ist, NEIN zu sagen

Es gibt verschiedene Gründe warum es schwerfallen kann Nein zu sagen. Meistens stecken Ängste dahinter.

 

  • Zum Beispiel fürchten wir uns vor Ablehnung, wenn wir die Erwartungen anderer nicht erfüllen.
  • Wir wollen es anderen Recht machen, weil wir gelobt werden wollen.
  • Wenn wir eine Bitte ablehnen, könnte uns ein Konflikt drohen. Bei der Arbeit geht es sogar so weit, dass wir um unsere Existenz fürchten, weil wir den Job verlieren könnten.
  • Manchmal geht es auch einfach darum, dass wir Angst haben, eine Chance zu verpassen.
  • Wir hoffen oder erwarten, dass wir auch etwas dafür zurückbekommen, wenn wir ja sagen.
  • Wir glauben, dass wir Freunde finden und Freundschaften erhalten, wenn wir ja sagen.

 

Das alles sind leider Trugschlüsse, die wir durch das Umfeld, das uns geprägt hat, ganz falsch mitbekommen haben. Wir leben also in dem Glauben, dass wir nur dadurch Anerkennung und Liebe bekommen, wenn wir das tun, was andere von uns wollen und wir immer für sie da sind.

 

Wer durch diese Glaubenssätze zum Ja-Sager wird, ist sehr leicht zu manipulieren. Beobachte beim nächsten Mal, wenn eine Person etwas von dir will, mit welchen Mitteln sie versucht, es von dir zu bekommen.

 

Damit meine ich die unterschiedlichen Strategien, die Menschen nutzen, um andere dazu zu bringen, das zu tun, was sie wollen.

 

  • Das können Schuldgefühle sein, die jemand versucht bei dir zu erzeugen mit Worten wie:
    “Du kannst mich doch jetzt nicht im Stich lassen.”

  • Oder dein Gegenüber fällt in die Opferrolle:
    “Ich bin total überfordert und habe sonst niemanden, den ich fragen kann. Du musst mir einfach helfen.”

  • Manche versuchen dich vielleicht mit Lob geschickt um den Finger zu wickeln:
    “Du machst das immer so genau kannst du das bitte auch für mich erledigen?”

  • Andere wenden ein Wenn-Dann-Ultimatum an, um dich damit zu erpressen:
    “Wenn du das jetzt nicht für mich tust, dann rede ich kein Wort mehr mit dir.”

 

Wer gesunde zwischenmenschliche Beziehungen führt, hat durch ein Nein nichts zu befürchten, dass es an der Beziehung etwas ändert. Wenn dadurch die Beziehung gefährdet ist, weil du nicht tust, was andere Menschen von dir wollen, dann hat das eher etwas mit Manipulation zu tun. Wenn du nicht du sein darfst, tut dir das nicht gut und dann ist es sowieso besser, wenn sich diese Verbindungen auflösen.

 

Welche Vorteile es für dich hat, öfter nein zu sagen

Du bist wertvoll und deshalb ist es wichtig mindestens genau so gut für dich zu sorgen, wie du es für andere tust. Das gilt im Job gleichermaßen wie bei deinen Freunden und auch in der Familie. Jedes Nein zu anderen ist ein Ja zu dir selbst.

 

  • Du kannst wieder ausreichend auf dich selbst achten und bleibst voller Energie.
  • Du führst ein zufriedenes und glückliches Leben.
  • Deine Beziehungen sind wertschätzend und ausgeglichen.
  • Du verbesserst dein Selbstwertgefühl.
  • Du wirst respektiert, das gilt auch für deine Grenzen.

 

Wenn du bis jetzt ein notorischer Ja-Sager warst, wird es etwas Übung brauchen, bis du nur noch zu den Dingen Ja sagst, die auch wirklich stimmig für dich sind. Du kannst damit im Alltag bei fremden Menschen beginnen. Zum Beispiel wenn dir im Café ein Tisch angeboten wird, kannst du antworten. “Nein danke sehr freundlich, aber ich möchte lieber am Fenster sitzen.”

 

Wie immer macht auch hier der Ton die Musik. So wirst du bei Freunden und Familie eher ein liebevolles Nein aussprechen und bei fremden Menschen oder im Job selbstbestimmt deine Grenzen aufzeigen. Wichtig ist immer respektvoll bleiben. Mit diesen kleinen Stellschrauben wird dein Nein positiver und leichter verdaulich für dein Gegenüber.

 

Aus unserer Kindheit kennen wir ja eher häufiger das negativ behaftete Nein. Meistens kam das von Eltern oder Lehrern in einem strengen, gar unfreundlichen Befehlston bei uns an. Das hat Gefühle wie Schuld, Scham und Ablehnung ausgelöst. Das Nein hat dein Unterbewusstsein in Verbindung mit diesen negativen Gefühlen abgespeichert. Deshalb fühlst du dich auch nicht so wohl damit Nein zu sagen.

 

5 Tipps: So kannst du Nein sagen - ganz ohne schlechtes Gewissen

Darüber, was die anderen von dir wollen, weißt du meistens bestens Bescheid, denn das wird dir auch regelmäßig mitgeteilt. Weißt du auch, was du willst? Um authentisch Nein sagen zu können ist das ganz wichtig. Mach dir selbst bewusst, was du wirklich willst und was du nicht willst. Das macht sich positiv auf deinem Selbstwertkonto bemerkbar. Wenn du einen guten Selbstwert hast, kannst du mit Leichtigkeit zu jedem wertschätzend - deinen Freunden, dem Chef oder der Chefin, deinen Eltern, dem Partner, der Partnerin - Nein sagen.

 

1. Nimm dir Zeit zum Nachdenken
Du musst nicht sofort zu oder absagen. Wenn du dich von jemanden mit einer Bitte überrollt fühlst, ersuche dein Gegenüber um Bedenkzeit.

 

“Bitte gib mir etwas Zeit, darüber möchte ich noch nachdenken.”

“Ich möchte unter Zeitdruck keine Entscheidung treffen. Ich gebe dir aber innerhalb der nächsten 30 Minuten Bescheid.”

 

2. Nein begründen

Wenn du einen wahren Grund nennst, ist das keine Rechtfertigung. Der Unterschied zwischen einer Begründung und einer Rechtfertigung liegt in deiner inneren Haltung. Eine Rechtfertigung klingt wie eine Ausrede, das wird dein Gegenüber auch spüren. Dasselbe gilt auch für einen wahren Grund, den du zu 100% vertreten kannst. In dem Fall wird die andere Person dein Nein leichter annehmen können.

 

“Ich habe gerade keine freien Kapazitäten, daher kann ich dir diesmal nicht behilflich sein. “

“Dieses Wochenende habe ich bereits Pläne, ansonsten jederzeit gerne.”

 

3. Alternative vorschlagen

Wenn du einen alternativen Vorschlag machst, zeigst du deine Hilfsbereitschaft, aber du machst auch deine Grenzen klar.

 

“Das Projekt xyz nimmt meine ganze Zeit in Anspruch. Wenn ich damit fertig bin, kann ich gerne behilflich sein.”

“Heute habe ich keine Zeit. Aber nächste Woche passt es sehr gut bei mir.”

 

4. Verständnis zeigen

Wenn sich dein Gegenüber verstanden fühlt, wirst du auch eher für deine Absage Verständnis bekommen.

 

“Ich habe Verständnis für dieses Anliegen, gleichzeitig kann ich so kurzfristig keine Lösung anbieten.”

“Ich verstehe deine Situation sehr gut und ich kann dir kein Geld borgen.”

 

5. Bedanken

Zeige Wertschätzung für das Vertrauen, das jemand in dich setzt. Es wird dein Nein weicher machen.

 

“Vielen Dank für das Lob, trotzdem kann ich das nicht zusätzlich erledigen.”

“Ich fühle mich geschmeichelt, dass du mir das zutraust, aber das geht sich bei mir nicht aus.”

 

Mit einer Handbewegung dein Nein sagen unterstreichen
Sag einfach Nein, wenn dich das nächste Mal jemand um etwas bittet

Mit diesen Tipps sind Ausreden und Lügen in Zukunft überflüssig. Du wirst dich viel selbstbewusster und authentisch fühlen, wenn du dein Nein mit einem wahren Grund gesagt hast. Denn wenn du Ausreden erfindest, holt dich nur das schlechte Gewissen wieder ein, weil du dir einbildest, dass du jemanden etwas schuldig bist. Klar wird es auch Menschen geben, die versuchen werden, dir ein schlechtes Gewissen zu machen oder dich zu überreden. In dem Fall bleibst du standhaft. Du wiederholst einfach deine Aussage und dein Nein.

 

 

Wenn du das Gefühl hast, dass du dich immer rechtfertigen musst und das Nein sagen bei dir nicht so richtig klappen will, lade ich dich zu einem kostenfreien Glücksgespräch ein. Dort können wir für dich die passende Strategie finden.

 

 

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